Eine Wohnung voller Lieblingsteile – meine Gedanken zum Minimalismus

Sonntag, 29. Oktober 2017
„Minimalismus“ - wenn man das zu mir gesagt hat, hätte ich noch bis vor Kurzem gesagt, dass ich da nicht viel mit anfangen kann und keinen Sinn hinter sehe. Und warum sollte ich mir die Mühe machen, meine Sachen auszusortieren und loszuwerden ohne einen Sinn dahinter, einfach zum Selbstzweck?
Mittlerweile hat sich meine Sicht auf den Minimalismus zum Teil gewandelt und ich liebäugle auch mit dem Gedanken, mich mit nur wenigen Dingen zu umgehen. Und dennoch ist das, womit ich liebäugle, nicht die klassische Variante des Minimalismus.
 
 
Was mich am Minimalismus immer abgeschreckt hat,
 
war mein Eindruck, dass er bei vielen Leuten ähnlich wie Materialismus aussieht - nur in die andere Richtung. Wenn man sich damit identifiziert, wie wenig man besitzt, definiert man sich immer noch über seinem Besitz. Und wenn man ständig weitere Dinge „wegminimalisiert“, ist das für mich ähnlich, wie wenn man ständig neue Dinge haben möchte.
 
Natürlich ist es im Sinne der Umwelt, möglichst wenig besitzen zu wollen anstatt möglichst viel. Aber auch der Umweltaspekt kommt bei vielen Minimalisten zunächst recht kurz, habe ich den Eindruck, da sie nicht nur die Dinge aussortieren, die sie nicht mehr brauchen, sondern auch jene des alltäglichen Bedarfs, um sie durch Gegenstände zu ersetzen, die noch minimalistischer sind. Für diejenigen, die sich darunter nichts vorstellen können: Damit sind Gegenstände gemeint, die mehrere Funktionen zugleich erfüllen, sodass man weniger Gegenstände besitzen muss. Das ist etwas, da kann ich recht wenig mit anfangen. Geht es wirklich nur darum, eine möglichst geringe Anzahl an Gegenständen zu besitzen? Kann man die Dinge, die man nun schon einmal hat, und, mit denen man auch prinzipiell zufrieden ist (außer, dass sie einem nicht minimalistisch genug sind), nicht so lange benutzen, wie sie noch halten? Wenn das erste Teil kaputt geht, kann man ja immer noch nach einer Alternative schauen, die noch mehr Funktionen abdeckt. Gut, eine Alternative ist es natürlich auch, die Dinge, die einem nicht minimalistisch genug erscheinen, weiter zu geben, und, den minimalistischeren Gegenstand gebraucht zu erwerben.
 
Für mich ist wenig Besitz an sich kein Wert und nicht erstrebenswert. Ich finde es nicht erstrebenswert, das meine Wohnung möglichst leer ist. Das ist auch nichts, womit ich mein Selbstwertgefühl steigern könnte.
 
Was mich noch an Minimalismus gestört hat, ist, dass er oft wenig mit meiner Realität zu tun hat. Es ist ja schön, wenn andere Menschen vielleicht eh nur auf Reisen sind und deshalb keine eigene Wohnung und nur einen Koffer mit Sachen brauchen. Aber ich habe nun einmal eine Wohnung, in der ich meine eigenen Möbel habe, anstatt die Möbel in Hostelzimmern zu benutzen. Und ich koche auch selbst und habe deshalb auch Küchenutensilien et cetera. Und diese Gegenstände existieren ja trotzdem und man nutzt sie, auch wenn sie nicht einem selbst gehören.
Außerdem hat die Menge an Gegenständen, die einige Minimalisten besitzen, nichts mit meiner Realität zu tun. Ich habe mehr Gegenstände des alltäglichen Bedarfs, als in einen Rucksack passen, und ich sehe es nicht ein, mich einzuschränken, um mich „Minimalist“ nennen zu dürfen.
 
Womit ich per se nicht unbedingt etwas anfangen kann, ist Dinge zu digitalisieren, um weniger physische Gegenstände zu besitzen. Bei einigen Dingen, wie Kontoauszügen, macht das für mich durchaus Sinn. Aber bin ich weniger minimalistisch, wenn ich gedruckte Bücher lese anstatt E-Books? Ich meine, das Buch existiert so oder so. Ob nun in physischer Form oder digitaler. Ist ein elektronischer Bilderrahmen besser als ein Fotoalbum? Sollte Minimalismus nicht auch die eigene Festplatte mit einschließen?

Wieso interessiere ich mich nun doch dafür?
 
Man könnte jetzt meinen, ich fände Minimalismus total bescheuert und würde mich so darüber aufregen, dass ich das unbedingt mit der ganzen Welt (oder zumindest dem klitzekleinen Teil davon, der das hier liest ;-) ) teilen müsse, um meiner Verachtung so richtig Ausdruck zu verleihen. Da bin ich aber so gar nicht der Typ für. Ich möchte hier über Themen schreiben, die mich begeistern. Warum soll ich meine Zeit und Energie damit verschwenden und meine Laune damit ruinieren, einen Blog über Dinge zu schreiben, die ich doof finde?! Da habe ich wenig von und euer Leben wird es auch nicht bereichern. Wobei ich eine angemessene kritische Haltung, die nicht alles restlos gut findet, sondern Dinge hinterfragt, natürlich wichtig finde. Aber eigentlich möchte ich euch ja erzählen, wieso ich jetzt plötzlich selbst Lust habe, in Richtung Minimalismus zu gehen. Ganz genau kann ich nicht sagen, wieso mich Minimalismus plötzlich reizt, aber einige Aspekte, die dazu beigetragen haben, kann ich schon nennen.
 
Zum Teil hat es sicher dazu beigetragen, dass ich mich vor anderthalb Jahren mit mittlerem Erfolg daran versucht habe, nach der KonMari Methode auszumisten. Diese Methode wird in dem Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo beschrieben. Kurz zusammengefasst geht man dabei seinen kompletten Besitz nach Kategorien sortiert durch. Man legt alle Teile einer Kategorie auf einen großen Haufen und fragt sich bei jedem einzelnen Teil, ob es einen glücklich macht. Warum ich persönlich die KonMari nicht nochmal machen würde, erzähle ich euch im nächsten Post zum Minimalismus, wenn es um die praktische Umsetzung gehen wird.
Was ich aber von Marie Kondo mitgenommen habe, ist, dass es das Leben enorm bereichert, wenn man sich nur mit Dingen umgibt, die einen glücklich machen, und, dass alle anderen Dinge einem Lebensqualität nehmen. Auch habe ich mit der KonMari Methode meine Fähigkeit, auf mein Bauchgefühl zu hören, gestärkt.
Außerdem lasse ich mich gerne durch YouTube Videos inspirieren und auf YouTube gibt es einige Leute, die Minimalismus weniger verbissen sehen und sich mehr darauf konzentrieren, ihr Leben mit Minimalismus ein bisschen einfacher zu gestalten, und, glücklich zu sein mit weniger Besitz. Eine Idee beim Minimalismus ist es auch, dass einen der ganze Krempel, den man besitzt, von den Dingen, die einem im Leben wirklich wichtig sind, ablenkt. Empfehlen kann ich zum Thema Minimalismus auf jeden Fall Lisa's Lab und High Carb Christian.
Aber letztendlich hat mich wohl Zero Waste davon überzeugt, dass es optimal ist, wenig zu besitzen, wie ich schon im Post zu dem Thema geschrieben habe. Denn alles, was wir besitzen, verbraucht zunächst bei der Produktion Ressourcen und wird irgendwann zu Müll. Somit ist die einzige Möglichkeit, unnötigen Müll zu vermeiden, wenig zu kaufen. Dafür müsste man natürlich nicht unbedingt ausmisten. Aber irgendwie, muss ich sagen, macht es mich einfach nicht mehr glücklich, so viele Dinge um mich herum zu haben, wenn ich weiß, dass das alles auf Dauer Müll ist und ich es nicht nochmal kaufen würde von meinem heutigen Zero Waste-Standpunkt aus.
 
 
 Was gefällt mir so plötzlich am Minimalismus?
 
Was mir am Minimalismus doch gefällt, ist die Idee, dass uns übermäßiger Besitz mehr belastet als glücklich macht. Natürlich ist es wunderbar, dass wir hier in Deutschland alles haben, was wir zum Leben brauchen. Aber wenn man Schränke hat, die fast überquellen vor Dingen, die man nie dort heraus nimmt, während die Sachen, die man wirklich benutzt, keine Platz mehr darin finden und irgendwo herum liegen, macht einen das doch eher unzufrieden, oder? Mich stört das auf jeden Fall. Ich mag die Idee, sich nur mit seinen Lieblingsteilen zu umgeben. Und da finde ich es viel schöner, einige wenige Lieblingsteile zu besitzen, zu denen man immer greifen kann, als eine große Auswahl an Sachen, aus denen man doch nur seine Lieblingsteile herausgreift, oder aber, die einen unschlüssig werden lässt, welchen Gegenstand man verwenden soll. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
 
Ich mag diese alltagstauglichere Variante des Minimalismus, bei der man sich durchaus mit den Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs umgibt und nicht versucht, alles weg zu lassen, was man nur weglassen kann, aber auch keinen Kram ansammelt, der genau das ist – Kram.
Und das ist es, was ich umsetzen möchte. Ich möchte nicht so wenig wie möglich haben. Ich möchte mich von den Dingen trennen, die keinen Mehrwert für mich haben und somit mehr Raum für mich und die Dinge, die einen Mehrwert für mich haben, schaffen.
Mir gefällt die Idee, die ja auch hinter Marie Kondos Konzept steckt, in einer Wohnung voller Lieblingsteile zu leben. Egal wo man hinguckt, das was man sieht, macht einen glücklich. Und das ist für mich einfacher – hier die Verbindung zum Minimalismus – wenn ich mich auf eine minimale Anzahl von Teilen einer Art beschränke, als wenn ich davon ganz viele habe.
Außerdem sagt Marie Kondo, dass man sich um alles, was man besitzt, auch kümmern muss. Man muss es reinigen, es reparieren oder austauschen, wenn es kaputt geht. Besitz ist auch immer Verantwortung. Und am einfachsten ist es, diese zu tragen, wenn man wenig besitzt. Mir persönlich geht es zumindest öfter, als mir lieb ist, schrecklich auf die Nerven, mich um meine Gegenstände zu kümmern.
 
Die Variante des Minimalismus, die ich umsetzen möchte, basiert auf meiner Vorstellung davon, welche Dinge ich in einer Wohnung voller Lieblingsteile hätte und welche nicht. Dabei geht es nicht darum, nur ganz wenige oder eine bestimmte Anzahl von Teilen zu besitzen, aber dennoch möchte ich mich von einem großen Teil meines Besitzes trennen.
Mich würde jetzt mal interessieren, ob unter euch Minimalisten sind, und, ob ihr das ähnlich seht wie ich, oder, ob es für euch mehr darum geht, möglichst wenig Dinge zu besitzen. Lasst mir doch gerne einen Kommentar da :)
 
 
Herzlichst,
eure Nicole

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