Sich selbst über Leute zu stellen, die den eigenen Weg nicht gehen

Montag, 25. Dezember 2017
Mir ist desöfteren aufgefallen, dass einige Leute, die einen alternativeren Weg gehen, dazu tendieren, sich über "normale" Menschen zu stellen. Sei es bei Leuten, die einen spirituellen Weg gehen, oder bei Leuten, die wie ich versuchen, möglichst nachhaltig zu leben. Nicht zuletzt bei mir selbst habe ich immer mal wieder Gedanken beobachtet, die in diese Richtung gehen.
Wahrscheinlich ist es ganz normal, dass manchmal solche Gedanken aufkommen. Ich denke aber, dass man sich dabei bewusst sein sollte, dass in diesem Augenblick eine Bewertung stattfindet. Gerade Bewertungen möchte ich auf meinem Weg der Achtsamkeit weitestgehend loslassen oder zumindest entschärfen, indem ich sie als solche identifiziere. Denn sobald man etwas bewertet und gerade, wenn man es abwertet, und diese Bewertung als mehr betrachtet als seine eigene subjektive Meinung, fängt man an, seine eigene Meinung als das Maß aller Dinge zu betrachten, und, sich selbst über den anderen zu stellen.


Natürlich muss man deshalb nicht alles gut finden, nur weil der andere es gut findet. Ich kritisiere in diesem Blogpost auch ein Verhalten anderer Menschen. Das ist ein schwieriges Thema und ich versuche, so gut ich kann, meine Gedanken dazu in Worte zu fassen. Mein Punkt ist es nicht, dass man zu allem ja und Amen sagen soll. Es geht mir darum, dass ich es nicht gut finde, andere Menschen als schlechter einzuordnen als sich selbst, weil sie nicht den eigenen Weg gehen. Zeugt es wirklich von Reife, sich selbst über andere Menschen zu stellen, nur weil sie nicht das erkannt haben, das man selbst glaubt, erkannt zu haben? Ist das die große Erkenntnis? Ist es nicht letzendlich das Ego, das andere Leute abwertet, die nicht die Erkenntnisse hatten, die uns selbst so wichtig sind?


Und wenn wir nun einmal davon ausgehen würden, es gäbe diese normalen Leute und diese alternativen. Wen würde man wo einsortieren? Es gibt viele Wege, die man gehen kann. Ich gehe zum Beispiel den Weg, dass ich versuche möglichst nachhaltig und achtsam zu leben, so wenig Leid wie möglich zu erzeugen und so viel Liebe und Herzlichkeit, wie möglich weiterzugeben. Ich versuche, gesund zu leben und orientiere mich dabei sowohl an wissenschaftlichen Befunden, als auch meinem eigenen Bachgefühl. Das klingt erstmal recht alternativ. Manch andere Leute sind besonders spirituell. Ich bin vielleicht ein völlig langweiliger unerwachter Atheist, der sich zu sehr an die Wissenschaft klammert, in ihren Augen. Das klingt doch nicht so alternativ.
Wenn man selbst von seinem Weg überzeugt ist, ist es verlockend, Leute abzuwerten, die einen anderen Weg gehen oder sich mit ähnlichen Themenbereichen noch nie auseinander gesetzt haben. Die Frage ist, ob man das wirklich nötig hat. Wenn man wirklich an die Sinnhaftigkeit hinter dem, was man tut, glaubt, genügt es da nicht, selbst diesen Weg zu gehen? Wieso fühlt man sich vielleicht sogar von anderen angegriffen, weil sie einen anderen Weg gehen? Schwingt da vielleicht doch eine gewisse Unsicherheit mit und versucht man diese damit zu verdecken, dass man den anderen abwertet? Ich sage nicht, dass das immer so sein muss. Es wäre eine mögliche Erklärung. Eine andere wäre, wie gesagt, das Ego. Wir identifizieren uns vielleicht recht starkt mit unseren Werten und können nicht mehr sehen, dass es für andere Leute auch einen anderen Weg gibt. Und vielleicht ist der unsere ja für uns selbst der einzig richtige Weg. Da ist es doch wunderbar, dass wir ihn gehen.

Ich stelle mir das vor wie ein Raum, in dem Fäden gespannt sind, auf denen sich jeweils eine Perle bewegt. Jeder Faden symbolisiert den Weg einer Person. Manche Fäden kreuzen sich, manche Perlen bewegen sich parallel, aber einige entfernen sich immer weiter von einander oder verlaufen in eine komplett andere Richtung auf der anderen Seite des Raumes. Jeder von uns ist eine Perle auf einem solchen Faden, die ihren eigenen Weg geht. In Wirklichkeit verläuft der Weg keinesfalls so gerade, wie der Faden in dem Sinnbild. Wann immer ich den Weg und den Standpunkt einer anderen Person nicht verstehen kann, stelle ich mir diese Fäden vor und, wo ich mich gerade befinde und wo der andere. So kann ich mich von meiner Sichtweise lösen und erkennen, dass alles erstmal sachlich ist. Und dennoch darf ich als kleine Perle festlegen, was ich für den richtigen Weg halte.

In dem Sinne wünsche ich euch allen - so weit ihr Weihnachten feiert - friedliche und besinnliche Feiertage und von Herzen liebe Grüße
Eure Nicole

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