Von der Natur lernen

Mittwoch, 24. Januar 2018
Ich mache gerne Waldspaziergänge. Der Wald bringt mich zur Ruhe. Im Wald kann ich einfach sein. So wie ich ebenfalls den Eindruck habe, dass der Wald einfach nur ist. Die Bäume stehen dort in tiefstem Frieden und das ist es, was mich beruhigt: dieser Frieden, den der Wald vermittelt. Dort braucht man nicht grübeln. Dort braucht man keinen Streit. Dort kann man einfach sein.
Im Wald gibt es kein Richtig und Falsch, kein Gut und Schlecht oder gar Gut und Böse. Bäume urteilen nicht. Sie stehen nur da, während ihre Blätter im Wind rascheln. Dort darf man sein, wie man ist. Egal, wie man ist.
 

 
Ich finde, dass man, wenn man in der Natur ist, vieles von ihr lernen kann. Man kann lernen, sich von Bewertungen loszulösen. Man kann lernen, zu sein, und, sein zu lassen.
Man bekommt es alles vorgelebt. Man kann sich auf die Stimmung des Waldes einlassen und sich ihr hingeben.
In dem Rascheln der Blätter im Wind, dem Gesang der Vögel und der frischen Waldluft, in der Schönheit von bunten Blättern oder Schmetterlingen, irgendwo da findet man den Frieden des Waldes. Wenn man sich darauf einlässt.
 
 
Ich war vor zwei Wochen im Wald, als ich an einem Punkt war, an dem ich dachte: Wie soll es denn jetzt nur weitergehen?
Neben dem Waldweg floss ein kleines Bächlein. Ich lauschte seinem zarten, musikalischen Plätschern. Wie schön dieses Plätschern war! Ich betrachtete die Stelle, von der es kam. Dort lagen einige Zweige im Wasser - ein kleines Hindernis, um das sich das Rinnsal herum wand und plätschernd durch einen Spalt floss.
 
 
Und ich begriff: Das Leben fließt weiter. Wenn ein Hindernis auf seinem Weg ist, sucht es sich einen Weg darum und fließt weiter, während es das Hindernis in der Ferne hinter sich lässt.
Immer wenn ich mich nun frage, wie es weitergehen soll, kann ich an das Rinnsal denken. Das Leben wird seinen Weg finden wie das Bächlein.
 
 

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